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2.4.1 Das Cowabunga Handelssystem

Gemäß der oben stehenden Kategorisierung soll als erste Handelssystemart die Gruppe der trendfolgenden Trading-Systeme mit ihrem jeweiligen Vertreter aufgegriffen werden. Die für diese Untersuchung ausgewählte Handelsmethode ist unter dem Namen 'Cowabunga [1] berühmt geworden. Etymologisch geht der Begriff wahrscheinlich auf das Kwa Bungu amerikanischer Ureinwohner zurück und meint einen enthusiastischen Freudenausdruck, vergleichbar mit „Wunderbar!“. Dass ein Handelssystem mit solch einem – zugegebenermaßen komisch anmutenden – Namen betitelt wurde, soll an dieser Stelle nicht weiter stören, denn dies trifft auf eine Vielzahl von ihnen zu. Diese Praktik lässt aber zwei Schlussfolgerungen zu: CD Zum einen sind Handelssysteme durch einen nicht alltäglichen Begriff eingängiger und bleiben mental bei Tradern präsenter als jene mit einer konservativen Benennung, was sicherlich zu ihrer schnellen und weiten Verbreitung beiträgt. (?) Zum anderen kann die Vermutung geäußert werden, dass Trader vergleichsweise kreative und humorvolle Akteure sind.

1. Allgemeines: Das System setzt sich aus der Kombination von insgesamt neun Technischen Indikatoren [4 & 4+1] zusammen, wobei Cowabunga die Besonderheit aufweist, dass es unter Nutzung von zwei separaten Charteinstellungen agiert. Der Basischart, beziehungsweise Hauptchart ist ursprünglich in der Einstellung von 4 Stunden und der Trigger-Chart in der Einstellung von 15 Minuten konzipiert, was bedeutet das im Hauptchart jede einzelne Kerze [= Candlestick] für einen Zeitraum von 4 Stunden und im Trigger-Chart analog jede Kerze für 15 vergangene Minuten steht. Selbstverständlich gelten gemachte Ausführungen ebenso für Balkencharts, sowie abweichende Zeiteinstellungen. Der Basischart überblickt demzufolge ein viel größeres Intervall, während der Trigger-Chart durch seine wesentlich kürzere Einstellung viel feinere Signale geben kann, als es der 4-StundenChart vermag. Der Vollständigkeit halber soll nachfolgende Abbildung das Prinzip eines Candlestick-Charts erklären[2].

Abbildung 10: Bestandteile Candlestick [eigene Darstellung]

Die nachfolgende Abbildung gibt zu Demonstrationszwecken eine Handelsoberfläche des Cowabunga Tradingsystems mit seinen jeweiligen Technischen Indikatoren wieder.

Abbildung 11: Cowabunga Handelsoberfläche mit Technischen Indikatoren über EUR/USD [eigene Darstellung, erstellt mit Free Trading Software Meta Trader 4]

2. Bestandteile: Das Cowabunga System beinhaltet unmittelbar am Basiskurs anliegend zwei Exponentiell Gleitende Durchschnitte mit unterschiedlich langen Laufzeiten, um bewusst ein Kreuzen beider Technischer Indikatoren zu provozieren. In der Regel umfasst der schnellere Gleitende Durchschnitt 5 Berechnungsperioden, der langsamere 10 Perioden, wobei der Kalkulation explizit Schlusskurse zu Grunde gelegt werden[3]. Diese konstruktionsbedingt dem Basistrend folgenden Gleitenden Durchschnitte, beziehungsweise das Kreuzen derselben, sind der Hauptbestandteil des gesamten Trading-Systems, weswegen es konsequenterweise unter trendfolgende Handelssysteme subsummiert wird. Cowabunga weist die zweite Besonderheit auf, dass neben den trendfolgenden Technischen Indikatoren ebenso Oszillatoren der Konstruktion angehören, welche für die Signalgabe von entscheidender Bedeutung sind. Konkret beinhaltet ein solches System grundsätzlich einen Relative Strength Index [RSI], meistens in der Parametereinstellung von 9 Berechnungsperioden eines Simple Moving Average [SMA] auf Schlusskursbasis, sowie einen Stochastic-Oszillator auf gleicher Datenlage, allerdings mit den Konfigurationen 10 Berechnungsperioden [%K], 3 Perioden [%D] sowie einer Glättung beider Exponentiell Gleitender Durchschnitte mit Faktor 3, auch bekannt als so genannte Verlangsamung[4]. Ausschließlich der kürzeren Charteinstellung von 15 Minuten vorbehalten ist zudem ein Moving Average Convergence Divergence [MACD] mit der standardisierten Kalibrierung von 26 beziehungsweise 12 Berechnungsperioden als Trigger-Linie, sowie 9 Perioden – allesamt Exponentielle Gleitende Durchschnitte – als Basislinie[5]. Für die Herleitung der im bisherigen Verlauf der Untersuchung noch nicht dargelegten Technischen Indikatoren sei auf den Anlagenteil verwiesen.

3. Signalgabe: Wie erwähnt fußt das Cowabunga System auf seinen beiden Exponentiell Gleitenden Durchschnitten, welche unmittelbar dem Basiskurs anliegend folgen. Aus der Tatsache heraus, dass der schnellere Exponential Moving Average [EMA] mit 5 Berechnungsperioden den langsameren mit 10 zu Grunde gelegten Perioden zwangsläufig schneidet, ergibt sich die notwendige Bedingung für ein Long-Signal genau dann, wenn der schnellere Trigger sein langsameres Pendant von unten nach oben schneidet[6]. Als hinreichende Bedingungen müssen ferner erfüllt sein, dass der Relative Strength Index [RSI] innerhalb seines Oszillatorkanals oberhalb der 50 % Marke verläuft und der Stochastic-Oszillator sich in einer Aufwärtsbewegung befindet, ohne dabei allerdings schon in den überkauften Extrembereich vorgedrungen zu sein. Schließlich muss sich auch der Moving Average Convergence Divergence [MACD] in einer Aufwärtsbewegung befinden, was die letzte Bedingung für eine Kauforder darstellt. Umgekehrt gilt damit für eine ShortOrder, dass notwendigerweise der schnellere Exponential Moving Average [EMA] den langsameren von oben nach unten schneiden muss und sich gleichzeitig der Relative Strength Index [RSI] unterhalb der 50% Marke seines Kanals positioniert, der Stochastic-Oscillator eine Abwärtsbewegung vornimmt, allerdings ohne bereits den überverkauften Bereich touchiert zu haben und letztendlich der Moving Average Convergence Divergence [MACD] ebenfalls wieder eine Bewegung nach unten vollzieht. Die Ausführung einer Order geschieht allein auf der Grundlage des 15-Minuten-Charts, allerdings unter der Prämisse, dass im 4-Stunden-Chart dieselbe Trendrichtung vorliegt.

Wenngleich Cowabunga zweifelsfrei ein trendfolgendes Handelssystem ist, sollte trotzdem in aller Kürze der Einsatz der Oszillatoren als Bestandteil der Konstruktion diskutiert werden. Es wurde ausgeführt, dass die Signalgabe mit der notwendigen Bedingung des Schneidens der Exponentiell Gleitenden Durchschnitte [EMA] einher geht, zusätzlich allerdings auch hinreichende Bedingungen bei den Oszillatoren erfüllt sein müssen. Der Einsatz dieser Art Technischer Indikatoren in einem trendfolgenden System ist damit zu rechtfertigen, dass sie eine erhöhte Filterwirkung gegenüber Fehlsignalen aufbauen. Daran anknüpfend sei erneut an den Mechanismus zwischen Sensitivität und Sicherheit erinnert: weil Gleitende Durchschnitte, unabhängig von Ihrer Datenbasis, in dominierenden Richtungen zwar rentabel aber trotzdem stets reaktiv agieren, kann keine Aussage über die aktuelle Marktlage getroffen werden, geschweige denn eine Prognose, in welche Richtung sich der Basiskurs entwickeln wird. Fehlsignale können einzig dadurch minimiert werden, indem die Sensitivität zulasten entgehender Buchgewinne verringert wird. Um dies zu vermeiden, bedient man sich der Oszillatoren, die im Kontext eines definierten Intervalls verwertbare Daten über die so genannte Relative Stärke eines Basiskurses geben können[7]. Diese Instrumente lassen sich in der Form mit den trendfolgenden Indikatoren kombinieren, dass sie ihr jeweiliges Signal entweder untermauern oder negieren. Ein einfaches Beispiel soll dies verdeutlichen: gegeben sei ein Einfacher Gleitender Durchschnitt [SMA], der vom Basiskurs nach Beendigung des einen und am Anfang eines tatsächlich beginnenden, länger anhaltenden neuen Trends geschnitten wird , wodurch ein Handelssignal in die entsprechende Richtung entsteht. Ein darunter platzierter Oszillator Indikator hätte dieses Signal sicherlich bestätigt, weil dessen Kurve weit in der Extremzone angekommen wäre und einen Trendwechsel anzeigen würde. Eine Negierung kann insbesondere in trendlosen Seitwärtsphasen dann entstehen, wenn der Trendfolger auf eine Kursbewegung reagiert, die sich im weiteren Verlauf als Fehlsignal herausstellt, welche allerdings der Oszillator mit einer Positionierung am jeweils gegenüberliegenden Ende seines Kanals nicht bestätigt hätte. Eine solche Situation kann beispielsweise so aussehen, dass ein Trendfolger eine Long-Position eingeht, während sich ein Oszillator in seiner überkauften Zone positioniert.

4. Stop Loss Strategie: Eine durchdachte Stop Loss Strategie sollte Bestandteil jedes Handelssystems sein, um schon während des Tradingvorgangs einen aktiven Beitrag zum Money Management zu leisten. Der Sicherung der Margin als Handelsgrundlage gegenüber existenzbedrohenden Verlusten kommt dabei oberste Priorität zu, allerdings sollte sich der Trader auch laufenden variablen Kosten in Form von Transaktionskosten, oder Gebühren in Form von Spreads[8] sowie gegebenenfalls fixen Kosten bewusst sein, welche aus Lizenzgebühren für verwendete Software entstehen können. Davon aber einmal abgesehen besteht die größte Gefahr zweifelsfrei durch Verluste aus laufendem Handel. Um diese zu begrenzen, bedienen sich Trader des so genannten Stop Loss[9]. Dieser meint eine individuell gesetzte – diskretionäre – Preisgrenze, bis zu welcher der Basiskurs bei ausgeführter Order in die Gegenrichtung laufen darf. Wenn diese Marke touchiert wird, stellt das System den laufenden Kontrakt automatisch glatt, sodass keine zusätzlichen Verluste aus gegebenenfalls weiter in die Gegenrichtung strebenden Kursen entstehen. Das Minus begrenzt sich somit auf die Spanne des Stop Loss, zuzüglich Transaktionskosten, welche permanent bei jedem Trade anfallen, unabhängig davon, ob es sich um ein Gewinnoder ein Fehlsignal handelt. Ferner besteht auch die Möglichkeit, gleitende Stop Loss Marken einzusetzen, die in den Bereich bereits realisierter Buchgewinne nachgezogen werden, um diese zum Teil zu sichern. Diese als Trailing-Stop bezeichnete Methode wurde bereits im Unterpunkt 2.3.2.2. angesprochen116.

In Bezug auf die Modellierung einer Stop Loss Strategie sollte bedacht werden, dass eine sehr nahe an den Kurs diskretionär gelegte Marke einerseits durch schnelles Reagieren vor hohen Verlusten schützt, andererseits können zu eng gesetzte Grenzen insbesondere in volatilen Marktphasen schnell zum unerwünschten Glattstellen einer Position führen117. Es gilt zu beachten, dass allein nach Beendigung eines Trades die Erkenntnis gewonnen werden kann, ob es sich um ein Gewinnoder ein Fehlsignal gehandelt hat. Als problematisch können sich Handelssystemkonstruktionen herausstellen, welche zwar die dominierende Richtung des Basiskurses korrekt identifizieren und folgerichtig daran partizipieren, allerdings in Folge von zu eng gesetzten Stop Loss Grenzen schon bei leichten Konsolidierungsbewegungen die Position schließen, möglicherweise mit Verlust. Geschieht dies gehäuft, wie es im automatisierten Handel auf Grund der Algorithmisierung der Fall sein kann, schnellt zudem die Anzahl an ausgelösten Orders in die Höhe, was mit unnötigen Transaktionskosten einhergeht.

Was das Cowabunga System betrifft, können keine verallgemeinernden Angaben über Stop Loss Marken in der Form gemacht werden, dass man von standardisierten Parametern sprechen kann. Diesem Ansinnen stehen konkret die individuellen Risikopräferenzen jedes Traders entgegen.

  • [1] Phonetische Schreibweise von Cowabunga ist [,kau.a0b/l).ga].
  • [2] In Anlehnung an Sambul, Nathan J.: a.a.O., Seite 49.
  • [3] Vgl. Erläuterungen zum Cowabunga System, URL: babypips.com/blogs/pipmy-system/so_youve_finished_the_school_o.html, Stand: 01.11.2010.
  • [4] Vgl. Müller, Thomas / Lindner, Wolfgang: a.a.O., Seite 388 f.
  • [5] Vgl. Murphy, John: a.a.O., Seite 253 f.
  • [6] Vgl. eBook “COWABUNGA EXPERT ADVISOR USER MANUAL”, Seite 4, URL: http: //thetra demachine.com/blog/2009/10/29/cowabunga-expert-advisor/,Stand: 01.11.2010.
  • [7] Vgl. Börsenlexikon „Relative Stärke“, URL: boersenlexikon.faz.net/relative.htm, Stand: 02.11.2010.
  • [8] Der Spread bezeichnet die Differenz zwischen BID [= Geldkurs] und ASK [= Briefkurs] und meint die Lücke zwischen Kauf- und Verkaufskurs, welche der Broker als Courtage für das Kombinieren von Angebot und Nachfrage erhält.
  • [9] Vgl. Börsenlexikon „Stop Loss“, URL: ad-hoc-news.de/stop-loss--/de/Boersen lexikon/9870547, Stand: 02.11.2010.
 
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