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2.1.5 Zwischenfazit Handelssysteme

In den zurückliegenden vier Unterpunkten wurde eine Definition gegeben, was überhaupt unter einem Handelssystem zu verstehen ist und welche vier grundlegenden Arten es gibt. Es soll deutlich geworden sein, dass sowohl eine Unterscheidung anhand der Komplexität, beziehungsweise dem Grad der Automatisierung vorgenommen werden kann, nämlich in manuelle und mechanische Handelssysteme. Ebenso lassen sich Unterschiede in der Art der Ausgangsinformationen ausmachen, zum einen fundamentale Daten in Reinform [Fundamentalanalytische Systeme] oder in statistischer Aufbereitung [Quantitativ analytische Systeme] und zum anderen reine Kursdaten [Technisch Analytische Systeme und ArbitrageSysteme]. Schließlich soll auch die Feststellung herausgehoben werden, dass drei der vier genannten Typen beliebig miteinander kombinierbar sind, lediglich die Arbitrage-Systeme bleiben in ihrem Handelsmuster individuell. Die nachfolgende Abbildung soll unter Verwendung eines Vier-Felder-Portfolios einen graphischen Zusammenhang zwischen eben getätigten Aussagen herstellen.

Abbildung 4: Methodisches Gefüge der Handelssystem-Typen [eigene Darstellung]

Zur Darstellung sei vermerkt, dass sowohl die Größe als auch die Positionierung der die Typen repräsentierenden Flächen lediglich als ungefähre Anhaltspunkte zu verstehen sind. Die Abbildung erhebt keinen Anspruch auf numerische Exaktheit, was die Dimensionierung anbetrifft.

Als vorletzter Aspekt dieses Zwischenfazits soll noch eine saubere begriffliche Abgrenzung vorgenommen werden. Der Begriff „Handelssystem“ ist nicht nur mit den dargestellten Sachverhalten belegt, sondern wird ebenso in Bezug auf [außer]börsliche Computersysteme verwendet, die fernab des Parketts den Handel von Aktien und Derivaten abwickeln. Genannt seien hier insbesondere das computergestützte System der Deutsche Börse AG Xetra [= Exchange Electronic Trading] oder das NYSE Direct genannte Äquivalent der New Yorker Wall Street[1]. Wenngleich diese angeführten Instrumente des automatisierten Handels selbst auf den eigenen Homepages als „vollelektronisches Handelssystem für den Kassamarkt“ beschrieben werden[2], so handelt es sich bei derlei Systemen in Wahrheit um computergestützte Handelsplattformen in einem elektronischen Systemverbund. Ihre Aufgabe besteht darin, Orders der Trader entgegenzunehmen und nach einer passenden Gegenorder zu suchen, um den Handel abzuschließen und diesen rechtskräftig zu dokumentieren[3]. Es sei explizit darauf hingewiesen, dass es keinen terminologischen Zusammenhang zwischen einem Handelssystem und einer Handelsplattform gibt, sondern vielmehr einen kausalen, denn die Signale eines Handelssystems werden über eine Handelsplattform abgewickelt und auf diesem Weg realisiert.

Als letzter zu nennender Aspekt soll für den weiteren Fortgang der Untersuchung schon an dieser Stelle eine Eingrenzung vorgenommen werden. Mit Blick auf die eben dargestellten Handelssysteme soll sich der Fokus ausschließlich auf Technisch analytische Handelssysteme richten und hier insbesondere auf die Systeme der Markttechnik. Diese Zäsur soll in der Form begründet werden, dass ein notwendiges Maß an Reliabilität als eines der Grundkriterien einer empirischen Untersuchung unter praktischen Gesichtspunkten nur von derlei Handelssystemen sichergestellt werden kann. Systeme auf der Grundlage fundamentaler Daten, also sowohl Fundamentalanalytische als auch Quantitativ analytische Handelssysteme, erfüllen diesen Anspruch insofern nicht, dass zugrunde liegende betriebswirtschaftliche Kennzahlen und mikro-/makroökonomische Modelle und Rahmendaten ihrem Wesen nach zu differenziert sind, als dass sie in genormter Form auf jeden beliebigen Untersuchungsgegenstand angewendet werden können. Zudem wären auch unterschiedliche Quellen der Datenbeschaffung erforderlich, woraus zwangsläufig Ungenauigkeiten entstehen und damit ein für einen Vergleich vermeintlich objektives Ergebnis kritisch hinterfragt werden kann. Dem Anspruch der Reliabilität kann folglich nur ein kurstechnischer Ansatz genügen. ArbitrageSysteme arbeiten zwar auf dieser [Daten]Grundlage, aber ihr eigentlicher Zweck besteht darin, wie oben bereits beschrieben, in so kurzer Zeit wie irgend möglich Preisunterschiede für ein beliebiges Gut an zwei unterschiedlichen Handelsplätzen aufzuspüren und unter Ausnutzung der schmelzenden Spanne risikolos Gewinne zu realisieren. Das Hauptaugenmerk liegt demzufolge vornehmlich auf dem temporären Aspekt, sodass die wahre Leistungsfähigkeit eines derartigen Systems ausschließlich in einer Echtzeitsimulation getestet werden kann. Das Testen und Optimieren von Arbitrage-Systemen obliegt also eher der informatischen denn der wirtschaftswissenschaftlichen Sphäre, zumal das zugrunde liegende Handelskonzept per se ein triviales ist. Nach bisher vorgenommener argumentativer Eliminierung bleiben somit nur noch die Technisch analytischen Handelssysteme mit den betrachteten Unterarten Charttechnik und Markttechnik übrig. Was die Charttechnik anbelangt, so wurde in den oben stehenden Ausführungen darauf hingewiesen, dass ein Handel, der auf der Grundlage eingezeichneter Trendkanäle und Unterstützungslinien basiert, zwangsläufig ein sehr subjektiver Handel ist, der sehr viel Interpretationsspielraum offen lässt. Es wurde ebenfalls erwähnt, dass etwaige Kursformationen zwar einen Anhaltspunkt geben, in welche Richtung ein Trend nach Erscheinen derselben verlaufen wird, allerdings lassen sich eben diese Formationen erst im Nachhinein, also ex post, ausmachen und helfen dem Trader in der Entstehung der vermeintlich identifizierten Formation nicht weiter, unabhängig davon, welchen individuellen Grad an Erfahrung er aufweist. Unter Berücksichtigung dieser Sachlage erscheint die Charttechnik für eine objektive wissenschaftliche Untersuchung ungeeignet und soll daher ebenso wie die anderen vorher genannten Handelssysteme für den weiteren Fortgang der Untersuchung – wenn überhaupt – eine untergeordnete Rolle spielen. Der Fokus liegt ab jetzt gänzlich auf den Markttechnischen Handelssystemen.

  • [1] Vgl. offizielle Pressemitteilung der NYSE, URL: nyse.com/press/1075990965 691.html, Stand: 02.10.2010.
  • [2] Vgl. offizielle Homepage der Deutsche Börse AG, URL:deutscheboerse.com/dbag/ dispatch/de/listcontent/gdb_content_pool/cms_data/07_central_pages/60_overview_p ages/cp_sp_overview_xetra.htm, Stand: 02.10.2010.
  • [3] Vgl. Finanz-Lexikon.de, URL: finanz-lexikon.de/computerboerse_1194.html, Stand: 02.10.2010.
 
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