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2.1.4 Arbitrage-Systeme

Eine vierte Art stellen die Arbitrage-Systeme dar, die infolge des technischen Fortschrittes auf dem IT-Sektor auf jedem beliebigen Markt für jedes beliebige Gut oder Wertpapier Preisunterschiede zwischen den jeweiligen Handelsplätzen aufspüren und millionenfache Orders platzieren, um so lange risikolos Erträge zu generieren[1], bis die schmelzende Preisspanne für den Handel in Gegenüberstellung der Transaktionskosten unattraktiv wird. Heutige Arbitrage-Systeme sind fähig, vollkommen eigenständig innerhalb von 16 Mikrosekunden [!] einen derartigen Trade auszuführen[2]. Es liegt auf der Hand, dass Arbitrageure mit einem schnelleren System gegenüber der langsameren Konkurrenz einen Vorteil in der Findung und Ausnutzung genannter Preisunterschiede haben, weswegen in diesem Bereich die Entwicklung rasante Fortschritte macht. Es liegt auf der Hand, dass in Anbetracht solcher Handelsgeschwindigkeiten ein manuelles System keine Chance hätte, schon auf mittlere Frist eine erfolgreiche Performance zu generieren, was als

Nachteil aufgeführt werden soll. Allein die aufwändige und monotone Recherche unterschiedlicher Preishöhen würde schon Minuten in Anspruch nehmen, und bis schließlich eine entsprechende Order am Markt platziert wäre, hätte sich die Differenz der betreffenden Handelsplätze bereits negiert. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass diese Art des Handelns auch ihre Schattenseiten hat, denn die amerikanische SEC [United States Securities and Exchange Commission] beobachtet diese Systeme insbesondere seit dem 06.05.2010 genau, als der Dow Jones Index völlig unerwartet binnen weniger Minuten einen Kursabsturz von 998,5 Punkten erlitt und sich fast ebenso schnell wieder bis auf das Ausgangsniveau erholte. Laut offizieller Erklärung wurde ein Computerfehler in einem Handelssystem für den Zwischenfall verantwortlich gemacht, welches binnen weniger Minuten insgesamt 75.000 Aktien leerverkaufte und einen Marktwert in Höhe von zirka 4,1 Mrd. US-Dollar vernichtete[3]. Es soll sich demnach um eine Singularität gehandelt haben. Marktkenner machen deren allgemeine Handelssystematik für den Vorfall verantwortlich. Ihrer Argumentation folgend, stornieren Arbitrage-Systeme fast 90 % der ausgelösten Orders unmittelbar wieder, mit dem Ziel, den konkurrierenden Systemen entscheidende Mikrosekunden durch die Verarbeitung der Scheinorders abzunehmen und das eigene System auf diesem Weg zu bevorteilen[4]. Von derlei Spekulationen einmal abgesehen, können Arbitrage-Systeme in der Konzipierung eines Handelssystems als einzige nicht mit den drei vorherigen Arten kombiniert werden, weil die Herangehensweise an das Marktgeschehen eine vollkommen unterschiedliche ist.

  • [1] Vgl. Kuepper, Justin: Trading the Odds with Arbitrage. URL: investopedia.co m/articles/trading/04/111004.asp; Stand: 28.09.2010.
  • [2] Vgl. Seith, Anne: Turbocomputer mischen Aktienmärkte auf. In: Spiegel online, Ausgabe vom 27.09.2010, URL: spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,719085,0 0.html.
  • [3] Vgl. Abschlussbericht SEC: FINDINGS REGARDING THE MARKET EVENTS OF MAY 6, 2010. URL: sec.gov/news/studies/2010/marketevents-report.pdf,Stand: 02.10.2010.
  • [4] Vgl. Unterreiner, Viktoria: Wie es zur Schockwelle an der Wall Street kam. In: Welt online, Ausgabe vom 07.05.2010, URL: welt.de/finanzen/article7511527/Wiees-zur-Schockwelle-an-der-Wall-Street-kam.html.
 
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