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4.1.1 Vermarktung durch den ÜNB

Jeder deutsche ÜNB verantwortet die Vermarktung des nach dem deutschlandweiten Ausgleichs bei ihm verbleibenden Anteils an der deutschlandweiten Erzeugung von Strom, der über Einspeisevergütungen gefördert wird. Nach der AusglMechAV kann die Vermarktung durch den ÜNB ausschließlich am Spotmarkt einer Strombörse durchgeführt werden[1]. Möglich ist folglich eine Vermarktung an der EXAA oder EPEX. Aktuell nutzen die vier deutschen ÜNB ausschließlich die EPEX[2]. Grund hierfür dürfte vor allem die deutlich höhere Liquidität an der EPEX und die Teilnahme der EPEX am Marktkopplungsmechanismus sein. Nach der AusglMechAV muss der gesamte Strom am Vortag verkauft werden. Die Gebotsabgabe an der EPEX ist durch die ÜNB somit grundsätzlich unlimitiert vorzunehmen. Wenn aufgrund von negativen Preisen der Aufruf der EPEX zu einer zweiten Auktion ergeht, ist jedoch eine Limitierung von Geboten zulässig[3]. Für Strom aus fluktuierenden Energieträgern wie Sonne oder Wind sind vom ÜNB zur Bestimmung der

Abb. 4.1 Vortagesprognose und Vermarktung von Windenergie am 05.03.2011 (eigene Darstellung nach Graeber und Kleine 2013, Abb. 4)

Vermarktungsmengen Prognosen zu verwenden. Der maximale Prognosehorizont bei der Vermarktung beträgt bei einer Gebotsabgabe bis spätestens 12:00 Uhr des Vortags 36 h zuzüglich des Zeitbedarfs für die Datenaufbereitung und die Abgabe des Gebots. Abbildung 4.1 zeigt für den 5. März 2011 exemplarisch die Menge des durch die TransnetBW am Spotmarkt vermarkteten Windstroms.

Nach Beendigung des Spotmarkthandels ist ab 15:00 Uhr des Vortages Intradayhandel an der EPEX möglich. Dieser ist nach der AusglMechAV durch die ÜNB zu nutzen, um Differenzen zwischen den vermarkteten Mengen und aktuellen Intradayprognosen auszugleichen[4]. Hintergrund hierzu ist die steigende Prognosequalität mit abnehmendem Prognosehorizont. Im Gegensatz zur Vermarktung am Spotmarkt ist der Handel am Intradaymarkt ein dynamischer Prozess der 24 h am Tag, 365 Tage im Jahr stattfindet. Da laufend aktuellere Prognosen verfügbar sind, ist ein wiederkehrender Ausgleich von Prognosedifferenzen notwendig. Nach und nach verringern sich so die Abweichungen zwischen dem Vermarktungsstand und den zu erwartenden tatsächlichen Erzeugungsmengen. Hierbei kann es bei schwankenden Prognosen durchaus auch dazu kommen, dass zu unterschiedlichen Horizonten Mengen von einem bestimmten Stundenkontrakt gekauft und verkauft werden. Bei der Gebotsabgabe am Intradaymarkt sieht die AusglMechAV im Gegensatz zum Spotmarkhandel keine Einschränkungen vor, der ÜNB ist folglich frei in der Wahl der Limitierung. In Abb. 4.2 ist für den 5. März 2011 exemplarisch die Menge des durch die TransnetBW am Intraday gehandelten Windstroms dargestellt.

Abb. 4.2 Intradayprognose und Intradayhandel von Windenergie am 05.03.2011 (eigene Darstellung nach Graeber und Kleine 2013, Abb. 5)

Abb. 4.3 Tatsächliche Erzugung (IST-Wert) und Ausgleichsenergiebedarf am 05.03.2011 (eigene Darstellung nach Graeber und Kleine 2013, Abb. 6)

Nach dem Handelsschluss des Intradaymarktes können Prognosedifferenzen durch einen ÜNB nicht mehr aktiv ausgeglichen werden. Für die verbleibenden Differenzen muss der ÜNB Ausgleichsenergie in Anspruch nehmen. Ziel des Intradayhandels ist es daher die Prognosefehler zum Handelsschluss zu minimieren. Abbildung 4.3 zeigt den Ausgleichsenergiebedarf für Windstrom der TransnetBW exemplarisch für den 5. März 2011.

  • [1] Vgl. § 1 Absatz 1 AusglMechAV.
  • [2] Die vier deutschen Mitglieder sind a.usschließlich bei der EPEX als Handelsteilnehmer gelistet.
  • [3] Vgl. § 8 AusglMechAV.
  • [4] Vgl. § 1 Absatz 2 AusglMechAV.
 
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