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3.2.2 Das Marktprämienmodell

Anstelle der Förderung über die Einspeisevergütung kann ein Anlagenbetreiber auch eine Förderung über die Marktprämie wählen.22 Ein Wechsel von der Einspeisevergütung zur Marktprämie oder zurück ist für jeden Kalendermonat auf Antrag des Anlagenbetreibers möglich. Voraussetzung für die Förderung durch die Marktprämie ist wie bei der Einspeisevergütung zunächst die grundsätzliche Förderfähigkeit. Zusätzlich müssen jedoch in manchen Fällen weitere technische oder bilanzierungstechnische Bedingungen eingehalten werden.23 Die Förderung mit einer Marktprämie ist zudem nur möglich, wenn der erzeugte Strom vom Anlagenbetreiber selbst oder über einen Dienstleister direkt vermarktet wird. Wie in Abb. 3.3 als Schritt eins dargestellt, kann die Vermarktung an der Börse oder am OTC-Markt erfolgen. Der Anlagenbetreiber erhält dort den regulären Marktpreis. Der Strom wird im zweiten Schritt über Vertriebe an die Endkunden geliefert. Zusätzlich erhält der Anlagenbetreiber vom Netzbetreiber die Zahlung einer Marktprämie. Diese Zahlung wird, wie in Schritt drei dargestellt, über die EEG Umlage und dem EEG Konto von den Endkunden finanziert.

Die Marktprämie besteht aus zwei unterschiedlichen Komponenten: der Differenz zwischen einem Referenzmarktwert und die der Anlage entsprechenden Einspeisevergütung in Form einer gleitenden Marktprämie, sowie einer Managementprämie. Die Abrechnung der gleitenden Marktprämie erfolgt rückwirkend je-

Abb. 3.3 Fördermechanismus beim Marktprämienmodell (eigene Darstellung nach Graeber; Kleine 2013, Abb. 3)

Managementpramie

EEG Vergotung

gleitende Marktpramie

Markterlos Grol1handelsmarkt

Abb. 3.4 Vergleich von Einspeisevergütung und Marktprämienmodell (eigene Darstellung)

weils auf Basis eines Kalendermonats. Der Referenzmarktwert wird dabei für jeden Energieträger individuell bestimmt und entspricht dem mittleren am Spotmarkt der EPEX erzielbaren Erlös der Einspeisung aller Anlagen eines Energieträgers. Für Biomasse und Wasserkraftanlagen wird vereinfachend der durchschnittliche EPEX Spotmarktpreis als Referenzmarktwert herangezogen[1]. Wie in Abb. 3.4 dargestellt, ergeben Markterlöse am Großhandelsmarkt und gleitende Marktprämie zusammen in etwa den gleichen Wert wie die Einspeisevergütung. Kleinere Abweichungen sind jedoch möglich, da der Referenzmarktwert nicht anhand der individuellen Anlage berechnet wird. Die Managementprämie besteht aus einem festen Wert je erzeugter kWh und soll die Kosten der Direktvermarktung abdecken[2].

Die Direktvermarktung mit Marktprämie ist für einen Anlagenbetreiber wirtschaftlich attraktiv, falls die Kosten der Direktvermarktung die Managementprämie unterschreiten. Durch seine Ausgestaltung führt das Marktprämienmodell somit zu Anreizen für eine möglichst effiziente Vermarktung. Zudem eröffnet die Teilnahme am Marktprämienmodell einem Anlagenbetreiber weitere Erlösmöglichkeiten. Bei steuerbaren Anlagen wie Biogasanlagen ist beispielsweise eine flexible Erzeugung möglich. Dabei wird zu Zeiten mit hoher Stromnachfrage und entsprechend hohen Preisen mehr erzeugt als in Schwachlastzeiten. Damit steigt der durchschnittliche Markterlös für den erzeugten Strom an. Eine Erweiterung oder Umrüstung von Anlagen zur Ermöglichung einer flexiblen Erzeugung wird bei der Teilnahme am Marktprämienmodell durch eine Flexibilitätsprämie zusätzlich gefördert. Neben der flexiblen Erzeugung ist auch eine Teilnahme am Regelenergiemarkt möglich, wenn die Marktprämie in Anspruch genommen wird. Die Marktprämie bietet im Vergleich zur Einspeisevergütung somit attraktive Möglichkeiten für Zusatzerlöse bei ähnlich hoher Investitionssicherheit. Durch die Anreize zur bedarfsgerechten Erzeugung führt das Marktprämienmodell zu einer stärkeren Marktintegration von EE.

  • [1] Vgl. § 33 g EEG (2012).
  • [2] Der Marktprämienmechanismus geht auf einen Vorschlag des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe zurück. Vgl. hierzu Sensfuß und Ragwitz (2011).
 
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