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2.1.1 Bilanzierung von Handelsgeschäften

Die Homogenität der Ware Strom im Netz führt dazu, dass der physikalische Fluss einer bestimmten eingespeisten Strommenge nicht ohne weiteres nachverfolgbar ist. Somit wird auch ein direkter bilateraler Verkaufsvorgang erschwert, da Warenlieferung bzw. Warenempfang nicht von den Handelspartnern kontrollierbar sind. Der gesamte Handel mit Strom wird deswegen über den ÜNB organisiert. Dieser führt dazu für alle Marktteilnehmer Bilanzkreise. Ein Bilanzkreis ist ein Instrument, um Ein- und Ausspeisungen von Strom sowie Handelsgeschäfte einem Marktteilnehmer zuzuordnen. Einspeisungen können Erzeugungen in der Regelzone oder Importe aus anderen Regelzonen sein, Ausspeisungen Verbrauch in der Regelzone oder Exporte. Sämtliche Ein- und Ausspeisungen in einer Regelzone werden über Stromzähler durch die ÜNB oder die örtlichen Verteilnetzbetreiber (VNB) gemessen. Die Messwerte aller größeren Messstellen umfassen dabei in der Regel die Summe der Einbzw. Ausspeisungen zumindest in viertelstündlicher

Abb. 2.3 Beispielhafte Bilanz eines Marktteilnehmers in einer Viertelstunde (eigene Darstellung)

Auflösung[1]. Diese viertelstündliche Auflösung stellt die zeitliche Grundstruktur des gesamten Strommarktes dar[2]. Wird nun eine bestimmte Menge an Strom von Marktteilnehmer A an Marktteilnehmer B verkauft, wird die entsprechende Menge auf dem Bilanzkreis von A wie eine Ausspeisung und auf dem Bilanzkreis von B wie eine Einspeisung berücksichtigt. Sowohl Marktteilnehmer A als auch Marktteilnehmer B müssen dazu das Handelsgeschäft dem ÜNB mitteilen. Nur wenn sich beide Mitteilungen entsprechen, kommt das Geschäft zustande. Bei Handelsgeschäften, die zwischen zwei unterschiedlichen Regelzonen durchgeführt werden, sind die ÜNB beider Regelzonen einbezogen. Abbildung 2.3 zeigt beispielhaft die Bilanz eines Bilanzkreises für eine Viertelstunde.

Auf jedem Bilanzkreis müssen sich Ein- und Ausspeisungen entsprechen[3]. Allerdings ist die ausgeglichene Gestaltung eines Bilanzkreises für einen Marktteilnehmer nur schwer möglich, sofern er nicht ausschließlich Handelsgeschäfte betreibt. Wird beispielsweise die Erzeugung von Kraftwerken in einem Bilanzkreis bilanziert, kann es zu Abweichungen kommen, wenn das Kraftwerk unerwartet ausfällt. Dies gilt auch, falls beim Einsatz EE ein Prognosefehler auftritt. Werden Kunden beliefert, ist deren Verbrauch ebenso nicht vollständig vorhersagbar[4]. Für die auftretenden Differenzen zwischen Ein- und Ausspeisungen muss vom Bilanzkreisverantwortlichen sogenannte Ausgleichsenergie in Anspruch genommen werden. Diese wird vom ÜNB mit dem Ausgleichsenergiepreis abgerechnet, dessen Höhe sich nach den Kosten der Erbringung der Regelenergie richtet[5].

  • [1] Kleinere Ein- und Ausspeisestellen haben in der Regel jedoch nur einen Mengenzähler, der jährlich ausgelesen wird. Mit Hilfe von statistischen Verfahren kann jedoch der zeitliche Verlauf hochgerechnet werden.
  • [2] Vgl. für eine Darstellung der Bilanzkreissystematik Horstmann und Cieslarczyk (2006, S. 104 ff.).
  • [3] Vgl. Bundesnetzagentur (2011, S. 21).
  • [4] Vgl. z. B. Swider (2006, S. 7).
  • [5] Vgl. Horstmann und Cieslarczyk (2006, S. 111)
 
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