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2 Überblick über den deutschen Strommarkt

Auf dem deutschen Strommarkt wurden im Jahr 2012 gut 594 Terawattstunden (TWh) an Strom nachgefragt. Diese Nachfrage entstand, ohne Berücksichtigung des Eigenverbrauchs der Kraftwerke und der Netzverluste, knapp zur Hälfte durch die Industrie, zu einem Viertel von privaten Haushalten und zu einem weiteren Viertel durch Handel, Gewerbe, Dienstleistungen, Landwirtschaft und Verkehr. Zudem wurde im Saldo 23 TWh an Strom exportiert[1]. Zur Stromerzeugung werden in Deutschland Kraftwerke mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Energieträgern eingesetzt. Die gesamte installierte Kraftwerksleistung betrug Ende 2012 gut 183 GW. Die Verteilung der Leistung auf die verschiedenen Energieträger ist in Abb. 2.1 dargestellt. Mit knapp 47 % hat die Gruppe der fossilen Energieträger den größten Anteil an der deutschen Kraftwerksleistung. EE machen mit 79 GW bereits 43 % der gesamten Kraftwerksleistung aus.

Der Anteil an der Kraftwerksleistung unterscheidet sich jedoch stark von dem Anteil an der tatsächlichen Stromerzeugung. Ursache dafür ist, dass je nach Energieträger die Kraftwerke unterschiedliche Mengen an Strom je installierter Kapazitätseinheit erzeugen. So kamen im Jahr 2012 allein Braunkohle- und Kernkraftwerke mit zusammen 20,5 % der Kraftwerkskapazitäten auf knapp 42 % der deutschen Stromerzeugungmengen, alle EE zusammen mit 43 % der Kapazität nur auf knapp 22 % der Erzeugungsmengen (vgl. Abb. 2.1).

Der Überblick über den deutschen Strommarkt in diesem Unterkapitel beginnt mit einer Beschreibung der grundlegenden Marktinfrastruktur und die Grundzüge der Preisbildung. Anschließend wird in die wichtigsten Segmente des Großhandelsmarkts eingeführt.

Abb. 2.1 Kraftwerkskapazitäten und Stromerzeugung nach Primärenergieträgern (eigene Darstellung; Alle Daten haben den Stand Ende 2012. Vgl. IWES 2013 für die Windkapazitäten und Bundesnetzagentur 2013 für die PV Kapazitäten. Für alle anderen Energieträger wurden die Kapazitäten auf Basis von Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie 2012 geschätzt. Vgl. zur Stromerzeugung AG Energiebilanzen 2012)

2.1 Grundlegende Elemente des Handels mit Strom

Der Strommarkt unterscheidet sich in einigen Punkten von anderen Warenmärkten. Ursache dafür sind die besonderen Eigenschaften des Gutes Strom wie z. B. die Immaterialität, Homogenität und Nichtlagerbarkeit[2]. Zudem erfolgt der Transport von Strom nur netzgebunden. Diese Bedingungen führen dazu, dass auf dem Strommarkt eine umfassende Marktinfrastruktur notwendig ist, um den Handel zu ermöglichen. Zuständig für die Bereitstellung der Marktinfrastruktur für die Marktteilnehmer sind die Stromnetzbetreiber. Diese verantworten neben Transport und Verteilung von Strom auch die Funktionsfähigkeit des gesamten Stromversorgungssystems. Als Aufsichtsbehörden überwachen die Bundesnetzagentur und die Netzagenturen der Bundesländer diese Aufgaben. Eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung der Marktinfrastruktur spielen die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB). Diese sind zuständig für die Höchstspannungsnetze und verantworten jeweils für ihre Regelzone die zuverlässige Funktion des Stromnetzes. Die wichtigsten Aufgaben der ÜNB sind die Bilanzierung von Stromtransaktionen und die Erhaltung des Marktgleichgewichts mit Hilfe von Regelenergie[3]. Eine Darstellung der vier deutschen Regelzonen mit dem jeweils zuständigen ÜNB findet sich in Abb. 2.2.

Abb. 2.2 Aufteilung des Deutschen Marktgebiets in Regelzonen. (Quelle: 50hertz u. a. 2013, S. 13)

  • [1] Vgl. für Verbrauchs- und Exportangaben AG Energiebilanzen 2012.
  • [2] Vgl. Zylka (2010, S. 38).
  • [3] Vgl. Horstmann und Cieslarczyk (2006, S. 103 f.).
 
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