Desktop-Version

Start arrow Rechtswissenschaft arrow Problemfelder des deutschen Konzernsteuerrechts

< Zurück   INHALT   Weiter >

6.4. Gewinn- und Verlustverlagerung mit Wife von Verrechnungspreisen

Den Verrechnungspreiscn kommt in der Hinsicht eine gro.6e Bedeutung hinzu, dass mit Hilfe von ihnen die Gewinne Wld Verluste der eim.elnen Konzernunternehmen beeinflusst werden k.Onnen. Der absolute Gewinn des Konzerns (vor Steuem) bleibt jedoch gleich, aber die Gewinne bzw. Verluste der einzelncn Konzernunternehmen kiinnen sich verandern.m Das bedeutet, dass sich der Konzcm nicht nur das Ziel der Gewinnmaximierung setzt, sondem gleichzeitig auch das Ziel der Steuenninimierung. Indiesem Rahmen kommt den Verrechmmgspreisen cine Besteuenmgsfunktion zu. Beispie/:

Die polnische Muttergesellschaft (MG) Julia Darkow Sp. z o.o. stellt Gesundheitsste ck.er (Ohrringe) zu Herstellungskosten in Hohe von 3 Euro pro Stiick her undverkauft diese zwn Verrechmmgspreis (siehe Tabelle 1) an ihre deutsche Tochtergesellschaft (TG) Stechliese GmbH. Die Stechliese GmbH verkauft die Gesundheitsstecker (10 Mio. Stiick) wciter an einen unabhiingigen Abnchmer zu 4 Euro pro Stiick. Es gilt zu z.eigen, wclche Auswirkungen die Gestaltung der Verrechmmgspreise ein.er seits auf den Gewinn und andererseits auf die Steuerbelastung haben kann. Hierzu wcrden jewcils das deutsche und polnische Untemehmen betrachtet sowie beide Un ternehmen gemeinsam als Konz.em In der nachfolgenden Tabelle wurden fiir das oben beschriebene Beispiel verschiedene Verrechmmgspreise angesetzt. Auf ihrer Grundla ge wurde dann das entsprechende Gesamtverrechmmgspreisvolumen berechnet.

Verrechnungspreisvol umen

Alterna-

tive

Verrechmmgspreise

(€pro Stiick)

wn MG an TG ver-

kaufte Ohrstecker

Gesamtverrechmmgs-

preiswlum.en (in €)

1

3,00

10 Mio. Stiick

30 Mio.

2

3,10

10 Mio. Stiick

31 Mio.

3

3,50

10 Mio. Stiick

35 Mio.

4

3,70

10 Mio. Stiick

37 Mio.

5

4,00

10 Mio. Stiick

40 Mio.

Tabellc l: Vem:chnungspn:mvolumm

Aus Tabellc 1 ist deutlich ersichtlich, welche Auswirkungen die Vcrrechnungsprcisgc staltuog haben kann. Allein ein wn 0,10 Euro erhOhter Verrechnungspreis kann bei einer Verkaufsmenge wn 10 Mio. Stiick einen erhOhten Umsatz i.un 1 Mio. Euro aus machen. Vergleiche hierzu Alternative 1 und 2. Dementsprechend lOst ein Verrech nungspreis erhOht um 1,00 Emo eine gesteigertes Voli.unen wn 10 Mio. Euro aus. Vergleiche dazu Alternative 1 und 5.

Als ni:ichstes schlieilt sich die Frage nach dem Gewinn an. Hat die Gestaltuog der Ver rechnungspreise Einfluss auf den Konzerngcwinn? Um diese Frage zu beantworten wurden im ersten Schritt die Gewinne fiir die jeweiligen Unternehmen berechnet und im zweiten Schritt der Gesamtkonzerngewinn zusammengefasst (siehe Tabelle 2).

Tabelle 2: Oewmnsttuation

Die Vennutung. class Verrechnungspreise den Konzerngcwinn becinflussen, kann bei Bctrachtung der Tabellc 2 widerlegt werden. Jedoch ist unverkennbar, class die Unter nehmensgewinne abhangig wn dem Verrechnungspreis sind. Wie bereits erwiihnt ist neben dem Ziel der GewinnmBXimienmg ebenso die Steuerminimienmg ein angestreb tes Ziel des Konzems. Heide Ziele haben durchaus Einfluss auf die Unternehmensentscheidungen. Ans diesem Grund, wird der K.onzem versuchen, die geringste Steuerbc lastung zu erreichen.

Nun stellt sich die Frage, inwiefem die Gewinmerteilung 'On der Gestaltung der Ver rechnungspreise bctroffen ist. KOnnten die Gewinne in Hinblick auf cine geringere Steuerbclastung durch die Verrechnungspreise bceinflusst m:rden? Um diesem Aspekt nachzugehen, wird die Steuerbclastung der eimelnen K.onzernunternehmen bctrachtet sowie die Steuerbclastung des Gesamtkonzerns. Der deutschen 'ID wird bier ein Steu ersatz von 30% zu Gnmde gelegt. Im Gegensatz dazu liegt der Steuersatz der polni schen MG bci 20% (siehe Tabelle 3).

Tabelle 3: Steuemelastung

Die Tabelle 3 zeigt deutlich, dass die Steuerbelastung des Gesamtkonzerns dawn ab hiingig ist, in welchem Land und in wclchem Umfang der Gewinn in diesem Land an fa.llt. In unserem Beispiel ist die Steuerbclastung bei Alternative 5 am niedrigsten. Das bedeutet, dass die polnische MG die Geslllldheitsstecker zu einem Verrechnungspreis von 4 € pro Stiick an ihre deutsche 1G verkauft. Die deutschen 1G vcrkauft dmm diese Gesundheitsstecker ebenfalls zu 4 € pro Stfu:k an einen unabhiingigen Abnehmer wei ter. Dies bat zur Folge, dass der gesamte Konzerngewinn von 10 Mio. Euro bei der polnischen MG anaillt. Da der polnische Steuersatz niedriger ist als der deutsche Steu ersau., ergibt sich eine niedrigere Steuerbelastung.

Das Beispiel offenbart noch eine weitere Schlussfolgenmg. Aus der Sicht des Kiufenm ternehmens (deutsche 1G) ist der Verrechnungspreis als .Anschaffungskosten anzuse hen. Mit sinkendem Verreclmungspreis steigt der Gewinn (siehe Tabelle 2, Spalte 3 Gewinn Schirmer GmbH) sowie ebenfalls die Stcuerbelastung (siehe Tabelle 3, Spalte 3 Ertragstcuer Schirmer GmbH) fiir das Untemehmen. Fiir das Land, indcm das Unter nehmen anslissig ist, bedeutet dies, dass mit sinkendem Verrechnungspreis das Er tragssteuerauflmmmen steigt. Im Hinblick auf das Verkauferunternehm.en (polnische MG) sieht das Verhalten genau anders herum aus. Mit steigendcm Verrechnungspreis steigen auch der Gewinn (siehe Tabelle 2, Spalte 2 Gewinn Darkow Sp. z o.o.) unddie Steuerbelastung (siehe Tabelle 3, Spalte 2, Ertragsteuer Darkow Sp. z o.o.) fiir das Unternehmen. Fiir den Staat bedeutet ein hiiherer Verrechnungspreis ein hiiheres Ertrags steuerautkommen.s

Aus den genannten Griinden wird es der Konz.em anstreben den gesamtcn Gewinn in dasjenige Land zu verlagern, in welchem der Gewinn eincm niedrigeren Steuersatz unterliegt (siehe Abbildung 1) Wie das Beispiel gezeigt bat, kann diese Gewinnverla genmg durch die Bestimmung des Verreclmungspreises erreicht werden. Die Unter nehmen kOnnen die Verrechnungspreise jedoch nicht nur nach dem Kriterium ihrer wirtschaftlich geringsten Steuerbelastung festsetzen. In diesem Zusammenhang gibt es gesetzliche Vorschriften (Fremmergleichsgrundsatzes), die beachtet werden miissen.Uber den tatsiichlichen Spielraum bei der Gewinnvcrlagerung, anfgrund der Festset zung der Verrechmmgspreise, herrscht in der Praxis eine geteilte Meinung. Die einen Vertreter sind der Auffassi.mg, class es hierbei keinen gro.Ben Spielraum gibt, denn die Verreclmungspreise miissen nach dem Fremdwrgleichsgrundsatz gebildet werden. Jedoch gibt es auch noch eine entgegengesetzte Meinung und diese wint chn'ch die Umfrage der Wirtschaftspriifungsgesellschaft Ernst & Young wiedergespiegelt. Das Ergebnis der Umfrage .reigt jedoch deutlich, class es erhebliche Spielriume beziiglich der Manipulation im Rahmen der Verrechnungspreisbestimmung geben muss. Ansons ten bitten nicht iiber die Hilfte dcr befragten Untemeln:nen ihre Verrechmmgspreise nach einer Uberprijfung seitens der FinanzbehOrde korrigieren miissen.

Abbildung 1: verlagenang248

In Bezug auf die Festsetzung dcr Verrechnungspreise sollte jedoch auch nicht die Kon fliktsituation vernachliissigt werden, die zwischen den betroffenen Staaten entsteht. Das Interesse beidcr Staaten liegt darin ihre eigenen Steuereinnabmen zu maximieren. Dies !Ost wrschiedene Bestrebungen im Hinblick anf die Tatsache aus, class die Ge staltung der Verrechnungspreise die Steuereinnahmen der Llinder beeinflusst.

Ein Konz.em wird hierbei vcrsuchen die fiir sich geringste Steuerbelastung m errei chen. Einen solchen steuerlichen Gestaltungsspielraum gibt es jedoch nur bei konz.em internen Geschliftsbeziehuogen, da sich die steuerlichen Vor- und Nachteile auf dem tatslichlichen Markt weitestgehend ausgleichen. Hinzu kommt, dass Konz.eme fiir SteuerbehOrden schwieriger m kontrollieren sind. Diesem Aspek.t wird mit Hilfe der vcrschiirften Dokumentationspflichten vcrsucht entgegenzuwirken.

 
< Zurück   INHALT   Weiter >

Related topics